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Pilates meets Pantarei – wenn Bewegung mehr wird als eine Übung

Pilates | Achtsame Körperarbeit in der Gruppe: Kursleiterin begleitet bei einer Übung auf der Matte.

Pilates ist ein Körpertraining. Wir kräftigen, stabilisieren, bewegen die Wirbelsäule, koordinieren Bewegungen und beschäftigen uns mit Atmung und Körpermitte.

Und trotzdem interessiert mich im Unterricht nicht nur, ob eine Bewegung funktioniert. Mich interessiert auch, wie sie sich anfühlt.

Wo entsteht Kraft? Wo wird unnötig festgehalten? Was verändert sich, wenn eine Bewegung langsamer wird? Und wie gut nehmen wir eigentlich wahr, was unser Körper während des Trainings macht?

Genau an dieser Stelle treffen sich für mich Pilates und der Pantarei Approach.

Bewegung nicht nur ausführen, sondern wahrnehmen

Im Pilates gibt es klare Übungen und Bewegungsprinzipien. Das ist wichtig. Eine Bewegung soll kontrolliert ausgeführt werden. Bestimmte Muskelgruppen arbeiten zusammen. Haltung, Atmung und Koordination spielen eine Rolle.

Dabei kann es leicht passieren, dass wir uns vor allem darauf konzentrieren, etwas „richtig“ zu machen. Bein höher. Bauch fester. Rücken gerader. Noch eine Wiederholung.

Für mich beginnt interessantes Training aber dort, wo neben der Ausführung auch die Wahrnehmung Platz bekommt.

Wie fühlt sich diese Bewegung in meinem Körper an? Wo arbeite ich mit? Wo halte ich fest? Was verändert sich, wenn ich weniger Kraft einsetze oder meine Aufmerksamkeit an eine andere Stelle lenke?

Diese Fragen machen eine Übung nicht weniger präzise. Sie können sie sogar genauer machen.

Was Pantarei damit zu tun hat

Der Pantarei Approach hat meinen Blick auf Körper und Bewegung erweitert. In der Körperarbeit geht es darum, Wahrnehmung nicht nur über den Kopf zu organisieren. Berührung, Bewegung und das eigene körperliche Erleben können zusätzliche Informationen geben.

Diese Haltung nehme ich auch mit auf die Pilatesmatte. Das bedeutet nicht, dass aus einer Pilatesstunde plötzlich eine Pantarei-Sitzung wird. Die Übungen bleiben Pilates, aber die Art, wie wir ihnen begegnen, kann sich verändern.

Nicht nur: Wie soll diese Bewegung aussehen? Sondern auch: Was nehme ich dabei wahr?

Ein Körper ist kein Bewegungsdiagramm

Eine Übung lässt sich sehr genau beschreiben. Wo stehen die Füße? Wie liegt das Becken? Wohin bewegt sich ein Bein? Welche Muskulatur soll stabilisieren? Ein realer Körper hält sich trotzdem nicht immer an die Zeichnung.

Menschen bringen unterschiedliche Beweglichkeit, Kraft, Erfahrungen und Gewohnheiten mit. Manche Bewegungen fühlen sich sofort selbstverständlich an. Andere sind zunächst ungewohnt.

Manchmal arbeitet ein Bereich viel stärker mit als notwendig. Manchmal ist eine Bewegung kaum spürbar, bis wir unsere Aufmerksamkeit bewusster darauf richten.

Deshalb interessiert mich nicht nur die ideale Form einer Übung. Mich interessiert, wie dein Körper einen Weg in diese Bewegung findet.

Weniger Kraft kann manchmal mehr Kontrolle bedeuten

Gerade im Pilates passiert etwas Interessantes: Wenn eine Übung schwierig wird, versuchen viele Menschen automatisch, mehr zu tun. Mehr anspannen. Mehr Kraft. Mehr festhalten.

Manchmal ist genau das nötig. Manchmal aber auch nicht. Vielleicht arbeitet der Nacken mit, obwohl eigentlich die Körpermitte gefragt wäre. Vielleicht werden die Schultern fest. Vielleicht hältst du den Atem an, um eine Position stabil zu halten.

Körperwahrnehmung hilft dabei, solche Unterschiede zu bemerken. Wo brauche ich tatsächlich Kraft – und wo kann ich etwas loslassen?

Das ist keine Kleinigkeit. Es verändert, wie wir Bewegung organisieren.

Atmung als Teil der Wahrnehmung

Atmung gehört zum Pilates. Sie unterstützt Bewegungen, verändert den Rumpf und kann helfen, bestimmte Abläufe bewusster zu koordinieren.

Gleichzeitig erzählt der Atem manchmal auch etwas darüber, wie wir gerade trainieren. Wird er plötzlich ganz flach? Halte ich die Luft an? Kann ich eine Bewegung ausführen und trotzdem weiteratmen?

Auch hier geht es nicht darum, jede Sekunde zu kontrollieren. Es geht darum, Unterschiede wahrzunehmen. Denn sobald ich bemerke, was ich tue, entsteht überhaupt erst die Möglichkeit, etwas zu verändern.

Nicht jeder Körper braucht dieselbe Korrektur

Natürlich korrigiere ich im Pilates. Eine klare Ausführung ist wichtig, und manche Positionen oder Bewegungsmuster brauchen Anleitung.

Trotzdem glaube ich nicht daran, dass jeder Körper bei derselben Übung exakt dasselbe braucht. Manchmal hilft eine kleine Veränderung der Position. Manchmal ein anderes Bild. Manchmal eine Pause. Und manchmal reicht es, die Aufmerksamkeit an eine andere Stelle zu lenken.

Ein guter Unterricht besteht für mich deshalb nicht nur darin, Übungen vorzugeben. Er besteht auch darin, Möglichkeiten anzubieten, den eigenen Körper darin besser kennenzulernen.

Körperwahrnehmung ist kein Extra

Achtsamkeit und Körperwahrnehmung werden manchmal wie eine Ergänzung zum eigentlichen Training behandelt. Zuerst wird trainiert – und am Ende nehmen wir uns vielleicht noch kurz Zeit, um „in uns hineinzuspüren“. Für mich gehört Wahrnehmung schon während der Bewegung dazu.

Wenn ich bemerke, wie mein Becken sich bewegt, trainiere ich. Wenn ich wahrnehme, wann meine Schultern unnötig fest werden, trainiere ich. Wenn ich lerne, eine Bewegung kontrollierter auszuführen oder meine Kraft gezielter einzusetzen, trainiere ich ebenfalls.

Körperwahrnehmung steht nicht neben dem Training. Sie ist Teil davon.

Warum mir diese Verbindung wichtig ist

Wir verbringen viel Zeit damit, unseren Körper zu beurteilen. Zu schwach. Zu unbeweglich. Zu langsam. Nicht trainiert genug.

Pilates kann natürlich Kraft und Beweglichkeit fordern und entwickeln. Aber Training muss nicht bedeuten, ständig gegen den eigenen Körper zu arbeiten. Es kann auch bedeuten, neugieriger auf ihn zu werden. Zu entdecken, was bereits möglich ist. Zu merken, wo etwas leichter wird. Und wahrzunehmen, dass der Körper nicht jeden Tag gleich funktioniert.

Genau darin liegt für mich die Verbindung zwischen Pilates und Pantarei. Nicht darin, zwei Methoden miteinander zu vermischen. Sondern in einer gemeinsamen Haltung:

Den Körper nicht nur bewegen, sondern ihm dabei auch zuhören.

Auf der Matte beginnt Wahrnehmung in Bewegung

Pilates gibt uns einen klaren Rahmen. Übungen, Wiederholungen, Bewegung und Struktur. Innerhalb dieses Rahmens darf aber etwas sehr Individuelles entstehen.

Ein besseres Gefühl dafür, wie ich mich bewege. Wo ich Kraft einsetzen kann. Wo ich unnötig festhalte. Und wie es sich anfühlt, meinen Körper nicht nur von außen zu korrigieren, sondern ihn von innen heraus besser kennenzulernen.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Bewegung mehr wird als eine Übung. Sie wird zu einer Möglichkeit, sich selbst bewusster wahrzunehmen.