- Klar sein, aber nicht zu hart.
- Empathisch, aber trotzdem durchsetzungsfähig.
- Kompetent auftreten, ohne unnahbar zu wirken.
- Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, Menschen mitnehmen – und dabei möglichst souverän bleiben.
Frauen in Führungspositionen begegnen häufig sehr unterschiedlichen Erwartungen. Nicht jede Frau erlebt sie gleich und nicht jede Situation ist automatisch belastend. Trotzdem kann es anstrengend sein, gleichzeitig fachliche Verantwortung zu tragen und ständig mitzudenken, wie das eigene Auftreten wahrgenommen wird.
Und während der Kopf damit beschäftigt ist, Situationen einzuordnen, Entscheidungen vorzubereiten und Erwartungen auszubalancieren, läuft der Körper einfach mit. Bis man ihn irgendwann bemerkt.
Verantwortung hat auch eine körperliche Seite
Führung findet nicht nur in Meetings und Entscheidungen statt. Sie kann sich auch körperlich zeigen.
Vielleicht wird der Atem in bestimmten Gesprächen flacher. Die Schultern ziehen sich nach oben. Der Kiefer wird fest. Nach einem langen Tag läuft der Kopf weiter, obwohl eigentlich längst Feierabend wäre.
Solche Reaktionen sind zunächst einmal menschlich. Sie bedeuten nicht automatisch, dass etwas falsch läuft. Interessant wird vielmehr die Frage: Wann bemerke ich eigentlich, was eine Situation mit mir macht? Noch während ich mittendrin bin? Oder erst Stunden später?
Zwischen Kompetenz und Anpassung
Viele Frauen kennen Situationen, in denen sie sehr genau überlegen, wie sie auftreten. War ich zu direkt? Hätte ich freundlicher formulieren sollen? War ich klar genug? Habe ich zu viel erklärt? Hätte ich stärker auftreten müssen?
Diese Selbstreflexion kann hilfreich sein. Sie kann aber auch dazu führen, dass die eigene Aufmerksamkeit ständig nach außen wandert. Wie wirke ich? Was braucht mein Gegenüber? Welche Reaktion löse ich aus? Was wird von mir erwartet?
Dabei kann eine andere Frage leicht verloren gehen: Was passiert eigentlich gerade in mir?
Der Körper muss keine weitere Aufgabe werden
Körperwahrnehmung bedeutet für mich nicht, dass man nun zusätzlich zu allen anderen Anforderungen auch noch perfekt auf jedes körperliche Signal achten sollte.
Das wäre nur die nächste Aufgabe auf einer ohnehin schon langen Liste. Es geht vielmehr darum, wieder etwas mehr mitzubekommen. Wie stehe ich gerade? Wie verändert sich mein Körper, wenn ich über eine bestimmte Situation spreche? Wo fühle ich Stabilität? Wann merke ich Anspannung? Wann entsteht das Gefühl, mich kleiner machen zu müssen – und wann fühle ich mich klar und präsent?
Es braucht darauf nicht sofort eine Antwort. Zunächst darf Wahrnehmung einfach Wahrnehmung sein.
Nicht noch resilienter werden müssen
Gerade bei Führungskräften wird Belastung schnell mit der Frage verbunden, wie man noch besser damit umgehen könnte.
- Stressmanagement.
- Resilienz.
- Selbstoptimierung.
- Noch effizienter abschalten.
- Noch souveräner auftreten.
Auch Selbstfürsorge kann plötzlich wie eine weitere Kompetenz wirken, die man möglichst gut beherrschen sollte. Mein Zugang zur Körperarbeit ist ein anderer. Es geht nicht darum, einen Menschen noch belastbarer zu machen, damit künftig noch mehr getragen werden kann. Es geht darum, genauer wahrzunehmen:
Was trage ich eigentlich gerade? Was davon gehört wirklich zu mir? Wo überschreite ich meine Grenzen? Und was unterstützt mich dabei, klar und bei mir zu bleiben?
Pantarei: nicht nur darüber sprechen
Natürlich lassen sich viele berufliche Situationen gut reflektieren. Vielleicht weißt du längst, weshalb dich ein bestimmtes Gespräch beschäftigt. Du kennst deine Muster. Du hast die Situation analysiert. Und trotzdem merkst du, dass dein Körper immer wieder ähnlich reagiert.
Beim Pantarei Approach beziehen wir deshalb neben dem Gespräch auch Berührung, Bewegung und Körperwahrnehmung mit ein. Nicht, weil der Körper die „richtige Antwort“ kennt. Sondern weil er eine zusätzliche Perspektive eröffnen kann.
Vielleicht verändert sich deine Haltung, wenn du über eine bestimmte Situation sprichst. Vielleicht entsteht bei einer Bewegung plötzlich ein anderes Gefühl von Raum. Vielleicht wird spürbar, wie viel Kraft du eigentlich einsetzt, um etwas festzuhalten. Oder du bemerkst eine Ressource, die im reinen Nachdenken wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.
Was trägt mich eigentlich?
Wenn wir viel Verantwortung haben, richtet sich die Aufmerksamkeit schnell auf das, was schwierig ist. Auf Konflikte. Auf Entscheidungen. Auf Erwartungen. Auf Dinge, die noch gelöst werden müssen.
Genauso wichtig kann die Frage sein: Was gibt mir Stabilität? Wann fühle ich mich klar? In welchen Situationen muss ich mich nicht verstellen? Was hilft mir, präsent zu bleiben? Welche Fähigkeiten habe ich längst entwickelt?
Auch Ressourcen können körperlich erfahrbar sein. Vielleicht verändert sich die Haltung. Der Atem wird freier. Eine Bewegung fühlt sich selbstverständlicher an. Manchmal sind solche Unterschiede sehr fein. Aber gerade darin kann etwas Interessantes liegen.
Klarheit muss nicht Härte bedeuten
Gerade Frauen in Führungspositionen erleben manchmal den Widerspruch, gleichzeitig klar und verbindlich sein zu sollen. Dabei sind diese Eigenschaften keine Gegensätze. Klarheit muss nicht bedeuten, hart zu werden. Empathie bedeutet nicht, jede Verantwortung für das Befinden anderer übernehmen zu müssen.Und Grenzen zu setzen macht eine Führungskraft nicht weniger zugänglich.
Der eigene Körper kann dabei zu einer Art Bezugspunkt werden. Nicht als objektiver Ratgeber. Aber als Möglichkeit, wahrzunehmen:
Wann fühlt sich ein Ja tatsächlich wie ein Ja an? Wann merke ich, dass ich über eine eigene Grenze gehe? Wann spreche ich klar – und wann beginne ich, mich selbst zurückzunehmen?
Führung beginnt nicht nur bei den anderen
Führung richtet sich naturgemäß stark nach außen. Menschen begleiten. Entscheidungen treffen. Orientierung geben. Verantwortung übernehmen.
Vielleicht gehört aber auch dazu, sich selbst innerhalb dieses Systems nicht vollständig aus dem Blick zu verlieren. Nicht ständig. Nicht perfekt. Und nicht als weiteres Optimierungsprojekt. Sondern immer wieder. Kurz. Ehrlich.
Wie geht es mir eigentlich gerade? Was brauche ich? Wo bin ich klar? Wo halte ich fest? Und wo darf vielleicht etwas mehr Raum entstehen?
Bei sich bleiben, ohne stehen zu bleiben
Körperwahrnehmung nimmt Verantwortung nicht weg. Sie verhindert keine schwierigen Entscheidungen und macht Führung nicht automatisch leicht. Aber sie kann eine zusätzliche Ebene schaffen. Eine, in der nicht nur gefragt wird, was als Nächstes getan werden muss.
Sondern auch: Wie möchte ich eigentlich führen – und wie möchte ich mich dabei selbst erleben?
Vielleicht beginnt genau dort etwas, das im hektischen Berufsalltag leicht verloren geht. Nicht noch besser zu funktionieren. Sondern sich selbst währenddessen nicht aus dem Blick zu verlieren.
